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Life Update

Ich kenne Kai seit einiger Zeit, vielleicht 2 Jahre? Ich kann mich nicht mehr genau daran erinnern, wann wir uns kennen gelernt haben. Als ich das letzte mal bei meinen Eltern zu Hause war, trafen wir uns abends bei ihm, tranken Wein, redeten und es war ein richtig schöner Abend! Ich lies mich kurz nach Mitternacht abholen, das war von vornherein mit meiner Mutter so ausgemacht, weil ich trinken aber nicht gleich bei ihm schlafen wollte. Sie musste dann fast eine halbe Stunde in der Kälte warten, weil der Abend sehr schön war und wir uns küssten, der Moment konnte unmöglich einfach kaputt gemacht werden, dadurch dass ich gehen musste. Am nächsten Abend war ich wieder bei ihm. Ich trank eigentlich kaum Alkohol, es sollte also wirklich einfach so sein. Ich lies mir damit die Option nach Hause zu fahren, so war es geplant. Am Ende schlief ich bei ihm, wenn auch nur 1,5-2 Stunden, weil er dann arbeiten gehen musste. Aber es war sehr schön und er ist so einfühlsam wie ich das gar nicht so kenne. Er hört zu und versucht zu verstehen, scheint tatsächlich interessiert an mir und an meinem Befinden, das tut so unglaublich gut und ich fühle mich geborgen. Irgendwie hatte ich nicht damit gerechnet. Ich lief am Sonntag einen Halbmarathon in einer ziemlich guten Zeit und er sagte mehrmals wie stolz er auf mich war und wie toll er das findet. Das hat mein Ex-Freund leider nie geschafft. Entweder Neid oder einfach Gleichgültigkeit. Etwas anderes schien es nicht zu geben. Das gab mir ein gutes Gefühl und es ist schön, Kai in meinem Leben zu haben. Ich war außerdem letzte Woche bei meiner Therapeutin, die diese Woche im Urlaub war. Sie meinte wir kommen nicht weiter, der Grund für die Essstörung muss woanders liegen, vermutlich an einem Punkt an dem ich noch nicht sprechen konnte. Ich sollte meine Mutter einige Sachen zu meiner Geburt und meiner Zeit als Kleinkind fragen. Dabei stellte sich heraus, dass ich viel mit ins Geschäft genommen wurde und meine Mama nie eine Arbeitspause gemacht hat um sich nur um uns zu kümmern. Ich weiß dass wir früher aber eine Aushilfe im Geschäft hatten. Klar war ich dann immer bei Mama aber es schien mir so, als wäre ich damit befriedigt worden, nicht aber hätte ich das bekommen, was ein Kind vielleicht gebraucht hätte.... Darüber werde ich aber mit meiner Therapeutin nächste Woche sprechen. Über Ostern werde ich zudem nach Hause zu meinen Eltern fahren, also auch zu Kai

11.4.14 11:53, kommentieren

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Lost

„Das ist ganz schön untypisch, für eine Bulimikerin. Dass du nie auf öffentlichen Toiletten erbrichst ist ungewöhnlich. Ich bin schon lange Psychotherapeut und das habe ich bisher zum ersten Mal gehört. Du kotzt also tatsächlich nur zu Hause?“ Ich überlegte kurz. Auf einem öffentlichen Klo? Bah, als ob ich da mit dem Kopf drüberhängen will,… nein. „Ja, ich esse eben auch so, dass ich nur zu Hause kotzen muss, so weit habe ich mich schon unter Kontrolle.“ Er sah mich an, mit seinen schönen Augen, sein junges Gesicht, dazu die grauen Haare, er sah schon wirklich gut aus, so empfand wohl auch meine Mutter. Ich weiß nicht was es genau war, was ihn so attraktiv machte, aber sein Lächeln war so herzlich und er war so einfühlsam, so war nicht jeder Therapeut, am Beruf kann es also nicht liegen. Die grauen Haare passten nicht zu seinem Alter, ich fragte mich, was er wohl schon mitgemacht hat. „Und wenn du weißt, dass du bald nach Hause kommst isst du die Unmengen, weil du genau weißt, dass du danach kotzen kannst? Dann verlierst du die Kontrolle?“ Mit einem Gefühl ertappt worden zu sein nickte ich. Das ist jetzt ca 4 Jahre her. Inzwischen war ich bei anderen Therapeuten, ein mal in einer Klinik, für 2 Monate. Jetzt bin ich an dem Punkt an dem ich auch auf öffentlichen Toiletten erbreche. Wichtiger ist es für mich das Essen rauszubekommen, nicht, wo ich kotze. Traurig aber wahr. Am besten eignen sich IKEA und die Uni-Bibliothek. Da gibt es keine Klofrauen, die dasitzen und darauf warten, dass man ein Geldstück auf den kleinen weißen Teller legt. Da diese Frauen bestimmt seltsam schauen wenn ich nach einer halben Stunde erst und 6 kg leichter wieder rauslaufe. Aus diesem Grund schließen sich zum Beispiel Galeria Kaufhof, McDonalds, der Hauptbahnhof, sowie verschiedene andere Toiletten in Kaufhäusern aus. Als ich 15 Jahre alt war und noch in einer Kleinstadt bei meinen Eltern wohnte gab es an einem Mittag Erdbeeren mit Sahne. Ich weiß noch wie ich mit dem Fahrrad danach losgefahren bin, Richtung Wald. Als ich weit genug im Wald war, stellte ich das Fahrrad ab, lief ein paar Meter vom Weg weg und steckte mir den Finger in den Hals. Dann fuhr ich zurück, meine Kleine Radtour dauerte nur eine halbe Stunde, dass ich den großteil davon würgend im Wald stand, ahnten meine Eltern damals nicht. 7 Jahre später bin ich wenig weitergekommen und es macht mich traurig, verunsichert mich und enttäuscht mich. Der einzige Wunsch normal zu sein scheint langsam wie ein unrealistischer, unerreichbarer Traum. Ich bin in die WG gezogen und habe mich ganz bewusst dazu entschieden, dass die Rahmenbedingungen das Ausleben der Bulimie deutlich schwerer machen. Ich war fest davon überzeugt, dass ich dann nicht anders kann und besser, regelmäßiger und ausreichend esse, ohne Fressanfälle mit anschließendem Kotzen. Schwerer macht es mir dieses Umfeld schon, vom Kotzen hält es mich nur leider nicht ab. Und ich weiß immer noch nicht warum ich das ganze mache. Es ergibt einfach keinen Sinn. Ich bin es so satt, so satt nur hungrig und überfressen zu sein. Ich fühle mich verloren in meiner eigenen Welt, die vor kurzem so schien, als würde sie so viel besser werden.

11.4.14 11:38, kommentieren